Parität Bayern

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Donnerstag, der 06.10.2016 ######NEWS_TIME###

Dir werd‘ ich helfen!: Kundgebung und Solidaritätsmarsch zum Welttag der seelischen Gesundheit am 10. Oktober 2016

„Ich wünsche mir, so akzeptiert zu werden, wie ich bin!“ – Für diesen Wunsch wird der 58-jährige Rudolf H. am kommenden Montag auf dem Stachus in München anlässlich des Welttags der seelischen Gesundheit demonstrieren. Rudolf hat seit mehreren Jahren eine psychische Krankheit. So wie ihm geht es vielen Menschen: Jeder Dritte ist einmal in seinem Leben von einer psychischen Erkrankung betroffen.

Manche Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen werden so akzeptiert, wie sie sind, und erleben Zugehörigkeit zu unserer Gesellschaft: Sie gehen arbeiten, gehören in ihrer Nachbarschaft und ihrem Freundeskreis dazu, gestalten ihren Alltag selbst. Sie haben teil am Leben in unserer Gemeinschaft. Viele erfahren diese Zugehörigkeit aber nicht. Ihre "Teilhabe" am Leben in unserer Gesellschaft ist eingeschränkt. Um daran etwas zu ändern, braucht es Hilfe. Und zwar für psychisch kranke Menschen und unsere Gesellschaft. Das ist die Botschaft und das Motto der Kundgebung.

„Auch psychisch kranke Menschen werden in unserer Gesellschaft behindert. Nur spricht darüber kaum jemand“, kritisiert Theresa Holzapfel, Geschäftsführerin des Sozialpsychiatrischen Zentrums München. Selbst der Gang in den Supermarkt könne zum unüberwindbaren Hindernis werden aus Angst vor genervten Reaktionen, weil man zu langsam ist. „Mit der Aktion wollen wir ein öffentliches Bewusstsein für die Ausgrenzungen in der Gesellschaft schaffen und über psychische Erkrankungen aufklären“, so Holzapfel.

Ein barrierefreies Bayern muss auch die Barrieren für psychisch kranke Menschen einschließen!
Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen brauchen Unterstützung durch unsere Gesundheits- und Sozialsysteme. Nachbarn, Freunde, Arbeitgeber, Dienstleister und Behörden brauchen Unterstützung dabei, psychische kranke Menschen zu verstehen und teilhaben zu lassen. Dass diese Hilfe nicht immer gewünscht ist und auch Widerstände überwunden werden müssen, darauf macht das ironisch, provozierend gemeinte Motto der Veranstaltung aufmerksam: Dir werd' ich helfen!

„Wenn von Inklusion die Rede ist, denkt niemand an Menschen mit psychischer Erkrankung“, ergänzt Margit Berndl, Vorstand des Paritätischen in Bayern. Die UN-Behindertenrechtskonvention schließt explizit Menschen mit seelischer Beeinträchtigung ein. Sie fordert von den Regierungen, sich aktiv für Bewusstseinsbildung in der Gesellschaft einzusetzen, aufzuklären, zu sensibilisieren und Barrieren abzubauen. „Ein barrierefreies Bayern muss auch die Barrieren für psychisch kranke Menschen einschließen!“

Die Kundgebung findet statt am Montag, 10. Oktober 2016
16:30 Uhr | Kundgebung am Karlsplatz
17:00 Uhr | Solidaritätsmarsch mit Giesing Connection
anschließend Fest in der Aidshilfe (Lindwurmstr. 71-73) mit DJ Florian Keller

Herzlich eingeladen sind alle Münchner Bürgerinnen und Bürger, die gemeinsam mit Betroffenen und deren Angehörigen für mehr Akzeptanz für Menschen mit psychischer Erkrankung eintreten wollen.

Zur Kundgebung ruft die Münchner Aktion für seelische Gesundheit (ZehnZehn) unter der Schirmherrschaft des Schauspieler-Paars Edgar Selge und Franziska Walser auf.

Auf Wunsch können wir Interviews mit so genannten Psychiatrie-Erfahrenen vermitteln.

Ansprechpartnerin: Susann Engert | Tel.: 0176/10 22 07 24 | E-Mail: susann.engert(at)paritaet-bayern.de

Hintergrundinformation
Die Aktion findet in München zum vierten Mal in Folge statt und ist Bestandteil einer internationalen Bewegung mit dem Ziel, über psychische Erkrankungen aufzuklären und für eine stärkere Akzeptanz von psychisch kranken Menschen in der Gesellschaft zu werben. Der „Welttag der seelischen Gesundheit“ wurde 1992 durch die World Federation for Mental Health mit Unterstützung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ins Leben gerufen. Weltweit finden seither jährlich am 10. Oktober Aktionen unterschiedlicher Art statt. Ziel der beteiligten Organisationen und Verbände ist, die Gesellschaft über das oft tabuisierte Phänomen psychischer Erkrankungen zu informieren und für den Umgang mit von psychischen Erkrankungen Betroffenen zu sensibilisieren. „Betroffene brauchen vielfältige Hilfen, genauso braucht die Gesellschaft Hilfe, um Betroffene nicht auszugrenzen“ so der Appell der Veranstalter.